inventur

am morgen schon
sind die
vögel der gesang
die lüfte
sind das feuer
die augen sind
die erinnerung
aber
die einsamkeit
ist nichts
als die einsamkeit

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Dunkelschlaf

Das Spatzenkonzert im
dichten Dämmerwald
Durchzuckt von Abendsonne
Feiner Melancholie
Die häuserweit erwacht
Und du selbst stehst mit
schwachem Herzen
Und lauschst
Spürst um dich herum
Nichts als ungefähre
Silhouetten
Die Nachtwanderung der
Amsel mitten über dem Gehör
Ein verständiger Klang
Dann wieder Stille
Die dich umfängt
Ein ganzer Dunkelschlaf

kindheit

nachmittagssonne

über dem alten garten

wie in den stein geritzt schimmert das licht

zwischen brüchigen fugen

in den schatten des apfelbaums

malen beflissene kinderhände ihren traum vom erwachsensein
unter ihren füßen

die immergleiche erde
mit ihrem
 duft aus kirschkernmehl oder sonnenmais

und wäscheleinenfrisch
die gereinigte luft
im atem dieses sommers
(doch niemand tritt hervor)

meerenge

ich wusste nicht einmal
ob ich dich erkennen würde
zwischen den ungleichungen

des meeres
und der vergleichslosen liebe

schmal war dein haar
ein wasserweißer schaum auf
den gewölbten klippen meiner augen

aber all das ist nicht die liebe
und nicht die see

inzwischen ist dein herz eine versförmige
meerenge

man kann darin nicht segeln

die fingerspitze des abends

Anlässlich des 5. Jahrestages der »Lebensmelodie«

mit einem mal
zogst du eine handvoll gegenwart
hervor
und streutest verwildertes laub
oder
den parfümierten schwall an blondem haar
der über deine stirn strömte
in mein gesicht

vielleicht war es nur die fingerspitze
des abends
die in ihre innerlichkeit einkehrte
und zu singen begann

du aber warst stumm
ich fühlte nur deinen mund
der sich langsam unter küssen auftat
und wieder schloss

dein mund war ein ungeschickter
rhythmus
der nichts von seiner poesie wusste

und ich band an deinen mund
die wenigen worte die mir blieben
als wären sie der zunder
des erinnerns