mondsichel

tagelang
schwieg ich meinem stern zu

der die farbe deiner
augen trug

ich schwieg meinem stern
dieses eine wort:

abschied

und du teiltest herz
und himmel

mir

wie eine
        mondsichel

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die nacht, die worte

liebes du weißt
dass ich nichts mag
als deinen kuss
– das späte geflüster der lerchen
auf feuchter haut –
und dieses sternwerden
zweier körper
entlang fremder innigkeit!

Einer Freundin zugedacht (II)

Gerade im Gedicht ist es uns vergönnt, an einer Liebe zu bauen, deren Fundamente unumstößlich sind. Keine Banalität vermag an ihrem Antlitz zu kratzen, keine Verstimmung lehrt sie zweifeln. Sie ist wahrlich in Stein gemeißelt, eine ewige Skulptur des Geistes, gewappnet gegen die Bürden der Zeit. In jeder ihrer Gebärden liegt die Gewissheit: Sie überdauert. –

Orpheus

Vom Sonnenlicht umwoben
schienen endlos dir die Tage;
Stunden, blütenblass, verflogen,
drangen weit und ohne Klage
in das stumme Weltental.

Rosen trugen deiner Lieder Pein;
gestaltlos, wie ein fremder Wille,
warst du auserkor’n für neues Sein,
darin sich fügten Leid und Stille
in verwandelnd leisem Klang.

hinter der stunde

mein leib entwächst
dem garten
deiner schlafenden augen

er kennt diesen
frühling nicht, liebes,

er weiß nicht von dir
oder dem klang der lippen
wenn sie den morgen berühren

mein leib, kehre
zurück in dein sinnlich-sein!
gib der stille
ihre lebendige musik!

mein leib!
wilde rose der einsamkeit
– blatt um blatt
                  himmel –.

liebeslied

wenn diese verse
sich doch auf die
flüsternden wälder
deiner schönheit legten,
– die gesichter
hellbestirnt –,
sodass dein lachen
die vollendete röte
des morgens enthielte
wie ein krokus
den späten april

Elegie [Fragment, 16.03.2011]

Kein volles Licht kann je
Den saumlos Blick durchdringen –:
All die sanften Farben singen nur
Geweiht im stillen Herzen!
Ach, wer nahm vom Rosenstrauch
Die erste Blüte sich, zu kosten
Süßigkeit und frommes Glück?

[…]

Programmatisches – I

Der Dichter ist nicht nur allein in der Welt, er ist auch allein in der Sprache. Er muss zu sich finden, und muss zu den Worten finden, um das Leid seines Daseins zu verringern. Der Dichter trägt die Bürde eines zweifachen Ausgesetzt-Seins.

Die Erfindung des Wortes #1

Vögel. Nichts als Stille. Formlose Körper,
von denen man glaubt, sie seien Luft.
Bedächtig trifft das Wort ihre Federn,
den Schnabel, das Wasser.
Man erntet das Fruchtfleisch der
Silben. Über den Häusern
blutet dein frischer Mund.

zwischenspiel

ein mädchen, erst vierzehn jahr,
beschreitet den weg des salzes

ihre füße kennen den regen,
das lachen, die mulden des
pfirsichbaums

sprachlos promeniert sie
den leib, der mit blüten umsäumt

ein mädchen, erst vierzehn jahr,
und haaren so blond wie das
gold des sommers

Über die Liebenden

Sie tragen das Karminrot
aus den Furchen der Nacht
– Kinder der Rose
und des Steins – .
In ihren Kalkschalen
liegt unverhüllt
das Licht. Saumlos
gebiert aus den Händen
die Frucht,
Malve oder Kolibri.

Widmung

ein mädchen im winter zu treffen…
den ganzen schnee seiner seele zu fassen
oder die flüsternden schatten der hüfte
beim kuss
und schweigend geht ein fluss über
bäume, häuser, lippen
immer süßer das dunkel der furchen,
die konturen lebendiger vögel
unter dem liebesnest der haut
welches den worten des alterns entbehrte
größer noch die musik der stillen leiber
oder das glück
ein mädchen im winter zu treffen

das gedicht kommt auf rosen
über den kalk der nacht
die schäumenden brüste unverhüllt

wie leise schläft der tod
wenn kalter regen die arme netzt
und man nichts
von den tulpen weiß
oder den einsamen balkonen

wenn man nichts
von den gestirnen weiß
und den silhouetten
der quellenden leiber

wenn die konturen das meer versilbern
wie leise dann die münder des todes!

die sterne
wissen um das tiefblau
das in dürstenden kehlen
rauscht

der himmel läuft
wie ein flüsterndes
tier –
der laut
einer fingerspitze auf sand

im geraschel der kinder
rührt mein mund
deine seele an
– der überfließende
besitz –
niemand hob das laken
hinfort
und fand darunter:
welt

ich werde
hinabsteigen
in deine seele
mit lippen ohne sand
& gliedern ohne jasmin

ich werde die geranien
deiner reifenden zunge
verpflanzen (das spielzeug
säumiger kinder)

die betörenden lenden
werden sich schließen
unwillkürlich:
ein saumloser mund
lakenweiß tropfend
oder der vergilbte torso
einer blaumeise
(sag du es mir)

ich werde
das fenster deiner augen
lösen:
das tintenglas
& die pochenden flüssigen
wasser

wieder führen
die silbernen pferde zu dir
(nur zu dir)

Ich sehne mich nach der Geborgenheit, die im Vertrauen zweier Seelen zueinander liegt. Ich sehne mich nach der Poesie des Lebens, die nur im Gleichklang zweier Menschen zu Wunderbarem fähig ist.