„Herzweise“ – Rezension

Liebe Leserinnen und Leser,

ich möchte euch nachstehend die fundierte und kenntnisreiche Rezension meines geschätzten Dichterfreundes Holger Jürges zu meinem jüngst erschienenen Gemeinschafts-Projekt „Herzweise. 100 Gedichte der Gegenwart“ empfehlen.

Falls es von eurer Seite bereits Leseerfahrungen mit dem Buch gibt, würde ich mich sehr über eine Resonanz in der Kommentarzeile freuen!
Nicht unerwähnt lassen möchte ich an dieser Stelle, dass der Gedichtband sich vielleicht als erbauliche, inspirierende Lektüre über die Weihnachtstage empfiehlt und auch als Präsent taugen mag.

Mit besten Grüßen
Ángel M. Perezáno

***

Wie ein Lichtstrahl, der auf tausend Spiegelfacetten trifft, um gleißend zurück zu fallen, in Wort und Vers, wärmt ein Gedicht die Herzen der Menschen auf ganz unterschiedliche Weise. – Die Töne einer jeden Facette lassen also in ihrer Wechselwirkung jeweils andere Nuancen erklingen. – So lösen in einer immensen Vielfalt, die dennoch für sich einzigartig ist, Klangbilder, die ein Dichter geschaffen hat, dieses unbeschreibliche Gefühl von Nähe aus, wenn man ein gutes Gedicht liest.

Das Gewesene versinkt im Raum einer seltsamen Liebe, und wir hängen an ihm, wie an Vertrautem, welches uns zu entgleiten droht.
Eine sanfte Dichtung, die verwehenden Spuren folgt, diese ehrt und vom Wegwurf bewahrt, erschüttert das Herz auf eine Weise, die es vermag, das Dunkel des Verblichenen aufzuhellen, um ihm seinen ewigen Platz zu geben.

Die Autoren des Buches „Herzweise“ sind – man verzeihe mir das große Wort – Ritter der Verse, denn aus ihren Werken spricht die Zeitlosigkeit der Dinge, welche in einem Schwebezustand immer sind und so den besagten ewigen Platz anstreben. – Damit erfüllen sie den hohen Anspruch, der oben kurz skizziert wurde.

Mit welcher Inbrunst und Klarheit dieses Sinnhafte in kurze Worte gekleidet werden kann, zeigt uns zum Beispiel das Gedicht „Sprache und Sinn“ von Simone Lucia Birkner:

An den Ort
an dem Sprache und Sinn
Hochzeit halten

sehne ich mich
seit Urgedenken

er muss heilig sein.

Eine zuweilen schmerznahe Sehnsucht, dort einfließen zu wollen, wo eine große Gelassenheit den Himmel und die Natur trägt, lässt im Gedicht „An der Biegung des Flusses“ von Sandra Blume einen wunderbaren Gleichmut aufleuchten, der bis tief in die Obhut von alten Erlen reicht:

[…]
Fern im Dorf das Abendläuten.
Im schwindenden Licht
will ich forttreiben lassen,
was mich anficht,
versenken, was mich beschwert.

Wie viel leichter der Schritt
durch das Moos zurück.
Nicht müde werden will ich,
dem Fluss zu gleichen
in der Obhut alter Erlen.

Hannah Buchholz verinnerlicht in vielen ihrer Werke das Schwierigste – man kann sagen jenes, was den Gipfel der Kunst überhaupt darstellt – : schlichte Natürlichkeit und Einfachheit in die Verse zu heben:

Nichts geht verloren

Tausend mal glaubte
ich dich verloren, mein Herz,
doch ich finde dich
wieder – in jeder Blüte,
in jedem Fluss, jedem Lied!

oder

Dein Name

Ich kenne dich nicht!
Was verbindet uns? Liebe
zur Lyrik, Liebe
zum Wort? Ich kenne dich nicht –
und doch leuchtet dein Name!

Feinstes Empfinden und das Ausdehnen der Sinne ins Unendliche spricht aus dem Gedicht „weiß die nacht“ von Diana Jahr. – Erhabene und tiefe Wahrheiten rühren das Gemüt und erinnern, wie so viele Gedichte in diesem wertvollen Buch, an die Unentbehrlichkeit von Kunst, wenn sich das Leben einer gewissen Vollkommenheit nähern möchte:

schon bricht die nacht herein
weht ein dunkler duft
von baumkronen und honig
genährte gedanken
danken der göttin
des mondes der sterne
wie ein tag überlebt
meine hand
deine abwesenheit
schwarz weiß die nacht
gebogen

Eine der vornehmsten Aufgabe von Kunst, nämlich dem Gefühl einen Vorwand zu erbringen, um sich auf unbestimmte Weise zu entwickeln, spiegelt sich im Gedicht „Zwischen Stille und Melodie“ von Á.M. Perezáno wieder, welches es tatsächlich vermag, das Herz in tiefe Schwingungen zu versetzen:

Heute komme ich, um einen
Schatten zu pflanzen
unter dem Wort,
welches Du mir zum Abschied gabst.
Einen Schatten von belebender Erde,
von Frühling und Himmel,
gehoben aus dem Leuchten Deiner Stirn.
Es ist nicht viel, was ich dir gebe, Liebes,
und doch ist es alles, was existiert,
zwischen der Stille und der Melodie.

Wenn ein Gedicht wahrhaftig gelingt, spürt man es auf eine eigentümliche Weise, denn es leuchtet gleichzeitig im Innersten die Schönheit der Seele auf; möge dieses Leuchten, gehoben aus Herz und Verstand, die Autoren dieses Buches begleiten, um das eigene und das Leben anderer Menschen entscheidend zu bereichern.

– Holger Jürges

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Buchveröffentlichung – Herzweise

Liebe Leserinnen und Leser,

ich freue mich sehr, dass ich an dieser Stelle die Veröffentlichung meines ersten Buches bekanntgeben darf. Wie den Vorabankündigungen bereits zu entnehmen war, handelt sich dabei um eine Anthologie, welche in gemeinschaftlicher Arbeit mit den höchst begabten Lyrikerinnen Hannah Buchholz, Simone Lucia Birkner, Diana Jahr und Sandra Blume entstanden ist.

Ich freue mich über eure Unterstützung und lade herzlich dazu ein, selbst auf Reisen zu gehen – eine Reise durch 100 Gedichte, versammelt auf 152 Seiten.

Das Buch ist ab sofort im Buchhandel zu kaufen, beim Verlag in der Lindenstraße oder wahlweise bei Amazon zu bestellen.

Euer Á.M. Perezáno

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Fünf Autoren haben alle Regler heruntergefahren und abgeschaltet. Dann haben sie gelauscht. Herausgekommen ist der im Verlag in der Lindenstraße erschienene Sammelband „Herzweise – 100 Gedichte der Gegenwart“, dessen Leitmotiv die Stille ist: „Gestrüpp der Stille“ (Simone Lucia Birkner) – “unzählige Arten der Stille” (Sandra Blume) – “Dunkelheit. Stille“ (Hannah Buchholz) – „dieses leise klirren in der stille“ (Diana Jahr) – „stille – dieser letzte aller verse“ (Á. M. Perezáno). Sie kommen auf leisen Sohlen daher, diese 100 Gedichte, unaufdringlich, präzise, aufgeschlossen für das Unscheinbare. Er wolle einen Schatten pflanzen, ist bei Perezáno zu lesen, Birkner schreibt von zusammengekehrtem Stundenlaub, Blume vom Licht zwischen ihren Fingern, Buchholz vom Kaffee im Morgennebel, Jahr von der Weichheit der Hornisse und einer Mondbraue. 100 Gedichte zum Hinhören und Hinsehen. 100 Gedichte zum Entschlacken. 100 Gedichte, die herzweise dem Hier und Jetzt abgelauscht sind.

Reinhard Ammer

Mail-Anhang

Ankündigung zur Anthologie „Herzweise“

Gedichte sind vergleichbar mit Prismen. In ihnen bricht sich die Wirklichkeit – in ganz eigener Färbung scheint sie bereits durch eine Handvoll Silben hindurch. Gleichermaßen sichtbar für den Verstand wie für das Herz, wird der so verdichtete Moment zum lesbaren Bild. 100 solcher „Verdichtungen“ versammelt die hochwertig gebundene Anthologie „Herzweise“. Fünf Autorinnen und Autoren der Gegenwart, deren Texten das Gefühlsintensive und Musikalische gemeinsam ist, geben darin einen Einblick in ihr facettenreiches Werk.
Ihre Lyrik haben sie unter anderem in Internetblogs veröffentlicht. Dort lernten sie ihre gegenseitigen Arbeiten kennen, schätzen und inspirierten einander vielfach. So entwickelte sich mit der Zeit ein reger Austausch über poetische Schaffensprozesse, der nun in einem Buch seinen Weg in die Sichtbarkeit findet.
Initiatorin des Projektes ist die Münchner Autorin Hannah Buchholz, die gemeinsam mit dem Lyriker Ángel María Perezáno als Herausgeberin der Anthologie auftritt.
Zu ihnen gesellen sich mit Diana Jahr, Simone Lucia Birkner und Sandra Blume drei weitere Stimmen, die es verstehen, die mannigfaltigen Eindrücke des Lebens mit großer Sensibilität zu einem harmonischen Klangteppich zu verweben. Die vier Dichterinnen und Perezáno gehen zwischen den Buchdeckeln eine poesievolle Verbindung ein, erschaffen mit ihrem je eigenen Akzent eine kraftvolle, von großer Sinnlichkeit getragene Lyrik und lassen den Leser herzweise an ihrem besonderen Blick auf die Welt teilhaben.

Die Anthologie „Herzweise“ erscheint im Herbst 2017.

 

Mail-Anhang

Lyrik-Anthologie ›Herzweise‹

Liebe Leserinnen und Leser,

ich freue mich sehr, euch darüber informieren zu dürfen, dass im Herbst dieses Jahres eine Anthologie im Münchner Verlag in der Lindenstraße erscheinen wird, welche ich gemeinsam mit den aufgeführten und von mir außerordentlich geschätzten Autorinnen initiiert habe. 100 Gedichte der Gegenwart sollen darin versammelt werden und die Vielstimmigkeit moderner Lyrik beredt vor Augen führen.
Gern möchte ich dazu ermutigen, die Seiten der beteiligten Autorinnen zu besuchen, denn dort finden sich wahrlich allerhand ansprechende, von Passion und Ratio gleichermaßen fundierte Verse.

Weitere Informationen werden in Bälde folgen.

Herzliche Grüße
Euer Ángel

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Herbstgedichte

 

Jedes Jahr, wenn es Herbst wird, greife ich zu diesem Buch.
Es hat sich fast schon als Tradition erwiesen – das andächtige Auf- und Abblättern der Seiten, die mit so herrlichen Versen bestückt sind. Immer war diese Jahreszeit für mich eine besondere, weil sie Facetten des Lebens betont, die wir sonst zu rasch beiseite schieben: nicht allein die Melancholie, auch die Sehnsucht nach Wärme und Geborgenheit spricht aus allen Dingen zu uns. Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr heißt es da bei Rilke, und gewiss: dieses Haus, welches zugleich ein Refugium der Seele ist, erfährt in den Herbsttagen eine andere Wertigkeit. Vielleicht leben wir bewusster und versuchen das Innehalten – fernab des großen Lärms. Vielleicht suchen wir die einsamen Momente: die Stille einer warmen Stube oder das Wandern im Nachmittagsnebel.

Das Bächlein zieht und rieselt, kaum zu hören,
Das Tal hinab, und seine Wellen gleiten,
Wie durch das Sterbgemach die Freunde schreiten,
Den letzten Traum des Lebens nicht zu stören.

Nikolaus Lenau

Wie begeht ihr diese besondere Jahreszeit? Gibt es spezielle Bräuche, die ihr persönlich mit dem Herbst verbindet?

Albatros

Ich habe erlebt, dass wir einsam sterben – Engel -; fast unsichtbar für die Außenwelt, 
und dass uns, wenn wir danach trachten zu sprechen, keine Worte mehr bleiben.
 Ringsum weicht die Schwere aus menschlichen Poren, vielleicht regnet es schon.
 Oder es ist bloß die Musik der Lippen: die Rhythmen, die Bewegungen eines Körpers.
 Die blaue Musik der Großstadt, zwischen Beeren und Staub, zwischen Silben; tanzend.
 Sei unbesorgt, mein Engel. Die Nacht ist arbiträr, wenn du liebst.
 Ich kam nicht dazu, dir zu sagen, dass jeder Satz aus deinem Mund Überfluss ist. 
O verschwende dich nicht, Liebes! Hör die Musik an den gebeugten Säumen der Nacht.
 Hör die auffliegenden Vögel im Morgenlicht, die Früchte der Sommerwende.
 Wenn du das Rauschen meines Körpers suchst, sei unbesorgt. Ich habe mich längst an das Leben verschenkt, 
Liebes. Du wirst daran nichts ändern mit deinen Kirschlippen. Mit deinen festen,
 blühenden Augen. Denn ich bin selbst die Musik. Ich bin die Anordnung schwerer Noten.
 Es genügt nicht, wenn du jetzt ein Wort zu mir trägst. Ich bin zu flüchtig, als dass
 ich es hielte. Nein, es genügt nicht zu sprechen. Es genügt nicht zu lieben – Engel – . Vielleicht weiß der Regen noch von dir, und weiß deinen Rhythmus wie ein Gedicht.

Avantgarde / hinter den worten

vom überlaufen deiner hände
bezieht mein mund
seine purpurnen farben

vögel auf den lippen:
so grün
und steinern

du hast mich küssend
(wie regen auf sinnlichen hautpartien)
ereilt
und ich konnte deinen blick
nicht wissen

In Auseinandersetzung mit Pessoa

Wir sterben bereits lange bevor wir den letzten Atemzug nehmen. Ich sterbe in euch, ihr Verbrecher und Lügner. Jeden Tag sterbe ich in euch. Einen ganzen Winter lang. Wenn es Sommer ist, sterbe ich. Und ich spüre, wie die Lieder meines Herzens leiser werden. Ihr mordet sie mir. Die Blumen der Kraniche: meine Kinder, meine Schwestern. Ihr nehmt mir all die Dinge, die meinem Leben Halt gaben.
Was ich schreibe, ist ein letztes Stück Selbsterhaltung. Keine Literatur. Ich bin dazu nicht in der Lage. Du weißt nicht, wie es ist, als Phantom unter Lebenden zu wandeln. Ich bin für die Einsamkeit gemacht, für die Trauer, für die Stiche im Herzen, für die Nacht. Man schließt mich weg. Eine Fundsache ohne Wert. Man sieht Pessoa hinter den Flüssen stehen. Hinter den Flüssen mit mir.
Eine Weggabelung aus Stroh. Mein silberfarbenes Telegramm. Du führst Buch über die Wellenlängen des Septembers. Durch das Arbeitszimmer bricht die schäumende Ozeanfront, tiefblau wie die Tropfen eines verflüssigten Essays.

März.

Schwarze Federn kolorieren die Schatten einer Leinwand. Stille Berge wehen sonnenwärts. Violett an weißen Blütenkelchen, deren Lichter noch farblos liegen. Die Tiefen formen meine sandigen Fingerspitzen wie Spuren knarrender Räderwerke. Pfade werden passiert. Lüfte, Wolken – noch unausgesprochen; irgendwer hält sie fern und immer dunkler in den Horizont.

Dann Krokusse an lavendelfarbenen Hölzern, die zerbrechen. Zwischen den Grashalmen balancieren zuweilen welke Blätter; der Winter nahm sie nicht. Im Bund umherwandelnder Scherben steigen ringsum Strahlen in den Vormittag. Märzenbecher trennen in azurner Tönung Himmel, Häuserschar und falben Hain. Die Blicke führen weit und sind im Stundentakt ein ganzes Meer. Du vergisst, dass du Segel brauchst; nimmst die ersten lichten Träume dafür. Im Tiegel liegt das unberührte Blau. Zwei erahnte Pinselstriche, die du entlässt. Davoneilend, mit den Saiten deiner Vorstellung.

Bild

22|3.PZ

Heimatlose Schwingen.

Umflimmert von zerteilten Lichtpartikeln sinkt sein Körper herab. Dann und wann Strahlung, die wellengleich aufbrandet. Tiefblaue Tönungen gefrieren im pfeifenden Morgenwind, das Gold der Sonne übermalend. Unter den Farbschichten vermischen sich Abbilder, als ginge ein jedes Ding hinüber: Peripherie ausgespülter Sichtungen. Von überspannten Saiten erklingt das Leben in melancholischen Mustern; seine Augen haben sich derweil an das lichte, durchklarte Meer verschwindender Eindrücke gewöhnt. Seine Lider schmerzen noch, doch auch dies vergeht.
Über dem harten Grund der Passagen liegt vergeudeter Frost. Hier und da stoßen sich Kältebrisen am Stadtinventar ab, fallen zu Boden, treiben müde in den Gassen umher, sinken schließlich ohne Halt ins Namenlose: ein letztes Atmen vor allen wiederkehrenden Abläufen. Mit uns ist es genauso.
Beachtungslos und kältegestillt fassen wir einander bei den Händen. Bevor er hinfort muss. Wie könnte er anders wollen.
Und so hebst du ihm die schweren Arme, die zu Flügeln geworden sind, auf, hängst sie in ein Morgen mit frischeren Nuancen. Ein Morgen, dessen Sonnenlicht für die wenigen Atmenden genügt. Vielleicht werden sie Luft holen, in die Räume fließen als aufgewogene Dimensionen, die sich im nächsten Bestehen an alle Häusersiedlungen verschenken. Ihre Herzen als endlose Strahlen unserer Stadt. Bis dahin noch der Anblick geleerter Körper, überwoben von tiefem Frost. Mehr als nur Paris.