Stundenbuch-Projekt #3

Denn so ist unser Leben: Wir verwalten den eigenen Verlust, als sei er uns das Wertvollste. Wir dokumentieren und führen Buch. Immer wieder dokumentieren wir den Verlust. Wir sind besessen von der Vorstellung, eines Tages in die schwarzen Zahlen zu kommen, sodass wir beinahe vergessen zu leben. Immerzu erleiden wir Verluste, vergessen das Hinzugewonnene, leben in den Akten der Vergänglichkeit.
Wir fristen eine doppelte Qual, derer wir uns zeitlebens kaum bewusst werden. Nicht einzig foltert uns der Verlust aller Dinge. Es steht hinter jedem Verlust auch eine Geschichte des Dokumentierens und des Aufzeichnens. Wir werden zu jeder Zeit mit der verzweifelten Arbeit unserer Aufzeichnungen konfrontiert. Wir verlieren uns selbst an die Schriften und Photographien, an die leeren, entsättigten Bürozimmer und Studierstuben. Wir haben am Ende unserer Tage nichts als Verlust zu verzeichnen. Und selbst diesen nimmt man uns unversehens aus den gealterten Händen. Aller Besitz, der uns formte, war nichts als Betrug. Nichts als ein kurzes Aufblitzen des Geistes über seinem Grab aus Verlust.

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One thought on “Stundenbuch-Projekt #3

  1. Zu meinen, sich verdächtig zu machen, gäben wir dem Leben und seiner Schönheit Ausdruck.
    Kleinkrämer, die gelernt haben still für sich oder lautstark ernsthaft Buch zu führen, über das, was verbesserungswürdig, Soll und Haben pervertiert.

    Herzliche Grüße Barbara

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