Programmatisches III

Was bedeutet es, eine schlichte, doch zugleich kultivierte Poesie zu entwerfen? Eine Poesie, die sich nicht indifferent gegenüber den Sehnsüchten der Menschen nach Schönem zeigt?
Ich vertrete die Ansicht, dass die Poesie – vor allem in Zeiten, in denen es keine »Metaerzählungen« mehr gibt – eine ganz basale Aufgabe zu erfüllen hat. Sie muss einen ästhetischen Gegenpol zu den leblosen Mechanismen der Alltagswelt bilden und den Menschen zurückführen in eine emphatische Vorstellung des Mensch-Seins. In ihrem bescheidenen Dienst für die Menschheit liegt die Berechtigung der Poesie. – Als schlicht erweist sie sich aufgrund ihrer Forderung nach Einfachheit, Klarheit und Verständigung. Kultiviert erscheint sie im Hinblick auf den zu schaffenden Mehrwert für eine spezifische Gemeinschaft, worin gleichsam ihre identitätsstiftende Funktion begründet liegt. – In der Poesie steht demnach immer das Höchste auf dem Spiel: die causa finalis des menschlichen Lebens.

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2 Gedanken zu “Programmatisches III

  1. Es muß natürlich heißen: „doch“ und nicht „dich“!
    Jedenfalls, gerade in der Einfachheit liegt (oft) die Kunst. Und die Schönheit.
    In diesem Zusammenhang sehe ich auch Gedichte wie: „Was es ist“ von Erich Fried.

    Außerdem ist es meines Erachtens auch eine zentrale Aufgabe der Literatur, nicht nur die Augen der Leser für die Schönheit der sie umgebenden Welt zu öffnen, sondern darüber hinaus auch Werte zu vermitteln bzw. an diese zu erinnern, nehmen wir beispielsweise Nathan der Weise und die darin enthaltene Ringparabel – Wie nun liessen sich diese Werte, die hier transportiert werden (möchten) vermitteln, wenn nur ein Bruchteil der Leser die darin enthaltene Botschaft verstünde?

    Gerade die Werke der modernen Dichtkunst werden oft aus der Hand gelegt oder gar nicht erst zur Hand genommen, weil die Leser keine Lust und/ oder keine Zeit haben, sich durch ein verwirrendes und unverständliches Bedeutungsdickicht hindurch zu quälen, was man ihnen auch nicht verübeln kann! ; )

    Herzliche Grüße

    Hannah

    • In der Tat: Ohne Werte, die das Verständnis von Menschlichkeit bestimmen, ist eine Kultur nichts als Fassade. Die Kunst sollte jene Werte vertreten und damit einen identitätsstiftenden Anspruch an sich selbst stellen.

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