Programmatisches – II

Vielleicht liegt das romantische Moment meiner Kunst darin, dass sie sich stets nach dem Anfang sehnt – der numinosen Schau einer Ersten Poesie –, denn aller Fortschritt bedeutet Differenzierung, bedeutet Teilung und Abkehr…

Mein ganzes Leben ist Poesie – ein unabschließbares Streben nach Hervorbringung wahrhafter Dinge.

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13 Gedanken zu “Programmatisches – II

  1. Ich wage da mal zu widersprechen. Auch morgen oder übermorgen wird es Neues geben, das bisher noch nicht gedacht werden konnte. Schließlich sollte Fortschritt doch bitte Fortschritt bleiben; denn sonst hätte man ihn auch gleich Rückschritt nennen können, oder etwa nicht?

    • Dieser Zwischenruf ist durchaus berechtigt, referiert er doch auf das gängige Verständnis von Fortschritt. – Jenen Fortschritt also, welchen ich hierbei skeptisch betrachte. Tatsächlich bin ich dem Gedanken verpflichtet, dass sich, als eine Art Initialzündung für das eigene Schaffen, eine Erste Poesie verantwortlich zeichnet (ein „Urbild“, eine „Idee“ – ganz ohne metaphysische Verklärung), die fortan als Leitmotiv fungiert. Jedes Fortschreiten in der gelebten Zeit differenziert und spezifiziert jenes „Urbild“ und entfernt den Künstler von der Ersten Poesie, von der Ersten Empfindung.

      • Nun, das Sehnen nach Anfang und Ende kann ich gut verstehen. Das, was den Künstler hier treibt, treibt schließlich jeden Menschen – halt nur in unterschiedlich starker Ausprägung und mit unterschiedlichem Bewußtsein.

        Bedeutet andererseits „romantisches Moment“ nicht per se auch Eskapismus?

        Außerdem hat sich das Bewutßsein des Menschen aus einer sehr wenig wissenden zu einer viel mehr wissenden Form ausgebildet, weswegen beispielsweise auch von primitiver Kunst gesprochen wird im Gegensatz zu anderen Kunstformen, soweit mir bekannt.

        Wenn folglich Kunst, wie vieles andere auch, Vervollkommung anstrebt, mag es sicherlich eine Uridee gegeben haben. Die indes maximal einen Bruchteil des möglichen respektive vollkommenenen Kunstwerkes darstellt, zu dem hin die von Ihnen angesprochenen Differenzierungen einen jeweils kleineren oder größeren Schritt verkörpern.

        Insofern würde ich die Entwicklung genau entgegengesetzt zu der von Ihnen angebotenen Sichtweise sehen.

        Herzliche Grüße,
        Der Salva

      • Ich vermute, dass uns zwei unterschiedlich geartete Fortschrittsbegriffe zugrunde liegen. Ich gehe in meinem Aphorismus nicht von einer evolutionären Idee aus, die es zweifelsohne gibt, sondern beziehe mich strikt auf das individuelle Künstlerleben, welches – in meinem Falle – durch eine „Ureingabe“, durch eine nicht weiter zu spezifizierende Intuition initiiert wurde. Darum treibt es mich stets, in Form einer merkwürdigen, ambivalenten Sehnsucht zurück zu jenem Anfang. Vervollkommnung in Stil und Reifung gehört jedoch als integraler Bestandteil zur Kunstschaffung, hierbei stimme ich Ihnen zu.
        Von Eskapismus kann insofern die Rede sein, als dass sich die Kunst ihre eigene Wirklichkeit sucht, – eine Wirklichkeit, die den Notwendigkeiten des Alltags abschwört und eine Autonomie anstrebt, welche wiederum in Korrelation mit jener aufgerufenen „Ureingebung“ steht.

        Freundliche Grüße,
        Ángel

  2. … ich glaube, ich weiß, was du meinst, mein freund …
    die „erste poesie“ – die reinsten, unverfälschesten (gibt es das wort? ;-)) gedanken,
    die vielleicht die wahrsten des selbst sind.
    aber die zeit (der fortschritt) kann helfen, diese zu … vervollkommnen? (nein, das wird nie geschehen, sagen wir lieber: zu vervollständigen.)
    natürlich fehlt dann die unschuld des „ersten“.
    lächel.
    mag ich sehr, diese deine gedanken.
    „mein ganzes leben ist poesie“ – ich glaube, meines auch.
    herzlich,
    diana

    • Ganz recht, liebe Diana, die ersten, unverfälschten Bilder, die das Schaffen in Gang setzen! Dahinter verbirgt sich für den Dichter die Einsicht zur Notwendigkeit poetischen Tätigseins. Mit der Zeit lernen wir, dieses „Urbild“ zu verstehen und begreifen seine Tragweite (siehe auch meine Reflexionen zur Schönheit).

  3. Natürlich hat auch Fortschritt Poesie, denn in jedem Fortschritt liegt auch wieder etwas Neues und Wahres. Aber auch bei mir findet sich die schönste Poesie meist im ersten Neuschritt.

    • Herzlichen Dank für deine Darstellungen, die zweifelsohne ihre Berechtigung haben. Mir war es jedoch primär daran gelegen, den Stellenwert der Ersten Poesie zu akzentuieren, also dem „Urbild“ des eigenen Schaffens. Für einen „reinen Schriftsteller“ mag derlei Innerlichkeit obsolet sein, doch erkenne ich der Dichtung eine weitaus hehrere Stellung zu. Sie verbindet die Kultivierung des Selbst mit dem Medium der Schrift, avanciert daher zur kontemplativen Praxis.

      Grüße, Ángel

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