Stillleben des Schriftraums #5

Vielleicht schreibe ich nur für die Dauer eines silbenumwobenen Sommers. Vielleicht muss ich mich vergewissern über die Dinge, die ich erfahre. Das Schreiben ist nicht für die Ewigkeit gemacht; es bietet demjenigen, der sich mit vollem Eifer einer Aufzeichnung widmet, keine Sicherheit. Es mag sein, dass man im Schreiben zurecht die Fragilität allen Daseins vermutete – ein integrales Moment der Vergänglichkeit, welches durch seine unauffindbaren Zeichen einem jeden Buch die gewohnte Struktur verleiht.

Während ich in meinem Tagebuch jene Gedanken festhalte, denke ich an die Gegenwart. Ich erinnere mich ihrer, indem ich schreibe. Und ich schreibe und denke sie in ihrer unsagbaren Mannigfaltigkeit, durchlaufe im Geiste ihre Silben, habe teil an ihrem Gesang. – In der stimmlosen Gegenwart meines Schreibens verirre ich mich: Im Hafen meiner Worte liegt ein Schiff vor Anker, welches der Navigation unfähig ist. Einsames Schiff der Fabel und des Romans, gehalten nur von den Säumen des Papiers.

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2 Gedanken zu “Stillleben des Schriftraums #5

  1. „für die Dauer eines silbenumwobenen Sommers“.. das ist wunderbar formuliert!! Ebenso: „Im Hafen meiner Worte liegt ein Schiff vor Anker..“

    Ich finde die Gedanken zur Vergänglichkeit des Schreibens sehr treffend und berechtigt. Sicherheit bietet es nicht, aber in vielen Momenten doch eine tiefe Befriedigung. Und selbst wenn es wieder vergeht – es war empfunden…

    ..grüßt dich Monika

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