Einem Freund gewidmet (III)

Caspar David Friedrich – Stadt bei Mondaufgang (um 1817)

Gedichte an die Nacht lösen in mir seit jeher ein unergründliches, schwermütiges Gefühl aus; sie tragen so viel Ursprüngliches in sich, – es scheint, als adressierten sie das rastlose Streben in uns, welches sich nach Erkenntnis der innersten Zusammenhänge sehnt. – Die Welt leitet uns bei Nacht hinaus aus den Automatismen der Zivilisation und hebt eine mystische Empfindung ins Herz. – Ganz bang stehen wir an den Säumen der Stadt und erkennen, aus einer stillen Intuition heraus, die tiefe Melancholie des Daseins – das große Mysterium der Existenz, das uns immer wieder zu erhebender Dichtung führt.

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7 Gedanken zu “Einem Freund gewidmet (III)

  1. deshalb liebe ich die nacht.
    sie ist unergründlich – und mir scheint, als stünden türen offen, die sonst nicht sichtbar sind.
    ein wunderbares bild – mit wunderbaren worten von dir!
    eine hommage an die nacht, und an alle /gedichte an die nacht/.
    mit liebem gruß
    diana

  2. Fein „gesagt“!

    „Die Welt leitet uns bei Nacht hinaus aus den Automatismen der Zivilisation und hebt eine mystische Empfindung ins Herz.“
    Ja, die Nacht ist Freundin und Feindin und führt uns zu uns selbst zurück.
    Wenn es gelingt, dies in einem Nachtgedicht spürbar werden zu lassen, dann ist es gelungen!

    ..grüßt Monika

  3. Ein banges Gefühl und tiefe Melancholie – diese Gefühle hatte ich früher auch oft in der Nacht…. die Nächte konnten mir unendlich lang und unendlich dunkel erscheinen, und ein Gefühl der Verlorenheit übermannte mich angesichts des unendlichen und unergründlichen Sternenhimmels –
    aber die Nacht kann, wie ich inzwischen weiß, auch ein guter Freund sein, ein sanfter und stiller Gefährte, so ruhig, so schön still, und auch Geborgenheit versprechend und mit sich bringend….
    ja, die Nacht kann ein Freund sein, in dem wir uns wiederfinden, in dem wir Ruhe und Stille finden und sogar Glück und Erfüllung… und sie kann eine Quelle der Inspiration sein, der Dichtung, übersprudelnd, sternklar, unendlich weit und tief…

    • Deine höchst poetischen Ausführungen berühren mich zutiefst, da sie dem Gefühl gerecht werden, welches wir so oft in uns tragen – gerade im Wonneraum der Natur! Ja, diese Antwort dünkt mich wahre Poesie, liebe Hannah. Deine klugen Reflexionen verdeutlichen, dass es primär unser Geist ist, welcher den Dingen ein Angesicht verleiht! Es liegt an uns, die wundervollen Erscheinungen der Welt in ein ästhetisches Werk zu überführen.

      • Lieber Angel,

        ich danke Dir von Herzen für diese Deine wunderbaren Worte, mit denen Du meinen Kommentar beantwortet hast…! Ja, wir können und dürfen uns berühren lassen und die Erscheinungen dieser Welt in unser Werk, in unser poetisches Schaffen überführen…. Was für eine Freude, was für ein Privileg… !

        Herzlichst, Hannah

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