Bekenntnisse eines Melancholikers (I)

Diese Urszene – der Einblick in den unaufhaltsamen Fortschritt der Zeit, und damit zugleich die Tilgung einstiger Lebenswirklichkeiten – spielt sich permanent in meinem Geiste ab. Nicht einmal die Poesie fungiert im Angesicht dieser Schwere als passables Medium der Bewältigung. Die profane Wahrheit, wonach ein Mensch nichts mit ins Grab nimmt, erweist sich als unumstößliche Hürde im Ringen um Sinnhaftigkeit, um Substantialität.

Das Stillleben und sein Betrachter sind, wenn man es auf mein Prosagedicht beziehen will, nicht so verschieden, wie man gemeinhin glaubt. Der Betrachter passt sich in seiner Betrachtung dem Stillleben an: Er versetzt sich gedanklich in einen Zustand der Zeitlosigkeit, in dem die Bürde des Verlierens nicht existent ist. Das Stillleben simuliert einen Zustand der Verlustlosigkeit. Es zeigt einen Zustand der Dauerlosigkeit innerhalb eines Kosmos der Dauerhaftigkeit und bildet damit eine gleichsam dialektische Konstellation aus.

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3 Gedanken zu “Bekenntnisse eines Melancholikers (I)

  1. sehr schön …
    vielleicht ist die profane wahrheit auch einfach die, dass der mensch nichts mit ins grab nehmen MUSS?
    das stillleben … allein dieses wort! ist so aussagekräftig.
    gedankenvolle und grüße zu dir,
    diana

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