Leerstellen der Artikulation

»Dann ruhte alles und war wie Meere, deren Wellen stillstehen…«

Über das Schreiben wurde seit Anbeginn der Kultur geschrieben – und sicherlich auch gesprochen. Wie der Entwurf sich artikuliert, wie er seine Zeichen anbringt: all dies ist uns bewusst. – Doch was ist mit der dialektischen Beziehung von Sprechen und Schweigen? Hat man darin nicht zu lang einen antagonistischen Widerspruch gesehen? – Vielleicht, so dünkt mich, wird das Sprechen erst dort fruchtbar, wo es sich mit dem Schweigen vermischt. Die Bedeutung des nicht eingetragenen Wortes in das große Relief des Lebens muss uns, im Sinne einer gründlichen Betrachtung, intensiver beschäftigen. Die Sprache kennt die Flut, aber sie kennt ebenso die Ebbe. Das Schweigen als solches findet in der Leerstelle nur eine mögliche Repräsentation. Denn die Sprache selbst ist es, welche kraft ihrer mannigfaltigen Darstellungsformen das Schweigen manifestiert. Ob synästhetisch, metaphorisch, allegorisch: Die Stille schreibt sich in den Kanon des Sagbaren ein und bildet somit einen ästhetischen Gegenpol zum Topos des Aussprechens.

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