Die Erfahrung vom Text

Der Leser macht jene Bereiche des Textes signifikant, die entweder seiner kulturellen Prägung entsprechen oder von ihm als Derivate eines übergeordneten semantischen Feldes aufgefasst werden.
Unsere Lektüre ist zumeist dahingehend motiviert, ein homogenes Gesamtbild zu konstruieren. Der Leser betreibt eine Subsumtion der zuträglichen Details unter seinen individuellen Interpretationsstrang und treibt jene Informationen, die seiner Lektüre nicht befruchtend zur Seite stehen, in die Insignifikanz. Somit lässt sich die Lektüre als eine primär selbstreflexive Tätigkeit klassifizieren.

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5 Gedanken zu “Die Erfahrung vom Text

    • Ich weiß darauf keine pauschale Antwort zu geben; schätze aber, dass jeder selbstreflexive Leser zugleich an seinen Lesegewohnheiten arbeitet und bereit ist, seine erworbenen Muster zu erweitern.

      • Ich meine Literatur verändert gerade da wo eigentlich (zunächst) keine Bereitschaft da ist, das ist gerade was den Reiz ausmacht, diese subversive Kraft von Sprache, wenn sie auf eine besondere Art gebraucht wird.

  1. Ganz recht: unsere Lektüre ist zumeist – wenn nicht sogar immer – dahingehend motiviert, ein homogenes (man könnte auch sagen: stimmiges) Gesamtbild zu konstruieren! Das würde ich unterschreiben. Der Leser subsumiert die seiner Lesart zuträglichen Informationen unter seinen Interpretionsstrang. Würde er aber die weniger zuträglichen Informationen gänzlich ignorieren, also in die komplette Insignifikanz abdrängen, dann könnte er seinen Interpretationsstrang ja niemals erweitern – sprich, er wäre unfähig, etwas hinzuzulernen und seinen Horizont zu erweitern.
    Dies ist aber gemeinhin nicht der Fall, jedenfalls nicht dann, wenn es sich um einen a. ) selbstreflexiven und b.) wißbegierigen Leser handelt. Wir, die wir danach trachten, etwas zu lernen und uns weiterzuentwickeln, lernen ständig hinzu. Gemeinhin fragen wir nach (oder ziehen weitere Lektüren hinzu), wenn wir etwas nicht versehen, um unseren Interpretationsstrang und so auch unseren intellektuellen Horizont zu erweitern. Diese Maßnahmen hindern uns an einer rein selbstreflexiven Lesart bzw. führen uns – Stück für Stück und Schritt für Schritt – über eine solche hinaus.

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