Gewiss beherbergt die zeitgenössische Lyrik einige fragwürdige Tendenzen, neigt sie doch dazu, die ehemals klaren Grenzen zwischen Kunstsprache und Alltagssprache zu revidieren. Oftmals ist von „Verwässerung“ und „Banalisierung“ die Rede. Die „heiligen Gefilde der Kunst“ würden ad absurdum geführt – einzig um des „Schauspiels“ willen, so die Kritik.

Die belarussische Autorin und Literaturdozentin Valzhyna Mort geriet heute dank eines ZEIT-Artikels in mein Blickfeld. Ihr recht junges Werk umfasst lediglich zwei deutsche Ausgaben (erschienen im Suhrkamp-Verlag). Ausschlaggebend für meine Sympathie waren allerdings drei Gedichte in englischer Originalsprache, welche mit ihrer Schlichtheit brillierten. Eine zurückhaltende, doch unerschrockene Metaphorik kennzeichnete jene Verse, eine latente erotische Note, die Topografie des Körpers.

Die Lektüre des bis dato vorliegenden Textmaterials möchte ich euch empfehlen, gerade im Sinne einer Gegenposition zu den lyrischen Erzeugnissen anderer DichterInnen. Ich selbst erhoffe mir eine fruchtbare Auseinandersetzung mit den Texten Morts und werde mir die verfügbaren Bände alsbald bestellen.

NACHTRAG 18.08.
Leider gilt es nun, meine euphorische Grundhaltung zu revidieren. Nach der Lektüre beider Bände – „Tränenfabrik“ & „Kreuzwort“ – ist die Ernüchterung spürbar. Alles, was ich an reifer Lyrik schätze, ist in diesen Büchern nicht anzutreffen. Das Gegenteil ist der Fall: beliebig wirkende Metaphern, eine halbgare Sprache, ein Fehlen überlebensgroßer Bilder, ein Defizit an Vitalität… Ich könnte an dieser Stelle mit meiner Kritik fortfahren, doch verweise die wenigen Interessierten lieber zur Amazon-Rezension.
Eine Negativerfahrung ist immerhin auch eine Erfahrung.

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3 Gedanken zu “

  1. Ich hatte diese Autorin auch auf meiner Liste zeitgenössischer Dichter, die einen Blick wert sein könnten (ebenfalls wegen des Zeitartikels und einiger Texte online) … Den Blick werde ich natürlich noch riskieren, aber der Nachtrag hier nimmt schon wieder ein wenig Hoffnung. Dafür federt er dann aber auch die Enttäuschung ab.

  2. Nun, vielleicht liegen dir ja ganz andere Formen von Lyrik am Herzen. Ich möchte mein Urteil nicht verallgemeinern oder darüber entscheiden, welche Poesie nun gut oder schlecht sei.
    Jedoch kann es nicht schaden, wenn man seine Erwartungen nicht allzu hoch ansetzt.
    Grüße

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