depressiv

niemanden interessiert, was du tust
du wirst keine fußspuren hinterlassen
mach dir keine illusionen
du wirst immer unbedeutend sein
und wenn du verstirbst, werden sie dich schnell vergessen
bewegen wirst du in deinem leben nichts
du kannst es nicht einmal beenden
du kannst das universale diktat nicht verlassen
es ist dir nicht vergönnt zu sterben
du musst dich weiter an dem unmöglichen versuchen
du bleibst immer unterjocht, selbst im tod
lass das schreiben ganz
lass das lachen
lass das tanzen und das singen
es ist vergeudung von kraft
lass das leben fallen

auch ironie hilft dir nicht.

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7 thoughts on “depressiv

    1. Ich habe nie in Marc Aurels Schriften gelesen, aber ich meine, dass alle Menschen dieses Gefühl ähnlich – wenn nicht gar identisch – empfinden. Unsere Sprache ist auch zu begrenzt, um dieses Gefühl variabler darzulegen.

  1. Ich glaube nicht, dass es ausschließlich darum geht, bemerkt oder nicht vergessen zu werden, sondern um den Moment des Begreifens der Befindlichkeit seiner Selbst im Verhältnis zu etwas anderem, und jedes Wort, jeder Tanzschritt und jeder Pinselstrich ist nur der Ausdruck des Begreifens, die hübsche Schale um den nährenden Kern, die ohne den Kern nur Kunsthandwerk wäre.

  2. Ich verstehe deinen Gedanken und erachte ihn als richtig. Das sich selbst begreifende Ich wird – summa summarum – zum ausgefüllten Subjekt, zum bewussten und sehenden Handlungsträger. Ich werde durch die Realisierung meiner Gedanken und Worte zu mir selbst. – Es ist die Essenz, die sich aus Handlung und bewusster Schau ergibt. – Wir schauen uns beim Werden zu, während wir singular s i n d.

    1. Ich finde das großartig.
      Mehr können wir nicht tun. Interessant ist, dass Du von „wir sprichst, sprichst Du vom Betrachtenden.
      Mir gefällt der Satz auch so:
      „Ich schaue mir beim Werden zu.“
      Vielleicht ist dann der ansporn größer, sich zu bewegen, seine Fähigkeiten auszuweiten.

  3. „… bewegen wirst Du in Deinem Leben nichts …“

    lächel

    Du schaust Dir selber beim Werden zu. Wenn das keine Bewegung ist, die Leben schafft?!
    Du schaust Dir selber zu und wirst damit zunehmend tiefer ein wacher und wacher werdender Beweger innerhalb des eigenen Werdens, eines Werdens, das weit über Dich hinausgreift. Lichträume öffnet, die nicht nur Bedeutung für Dich haben, sondern vielen Ungenannten und Dir Unbekannten Möglichkeiten eröffnen mehr Licht im eigenen Denken und Fühlen zu erfahren, einfach weil Du unverzagt weiter schreitest, ohne den Blick auf einen kleinen augenblicklichen Gewinn. Wir sind vernetzt … und was an einer Stelle getan oder auch nicht getan wird, das zeugt im universalen Geschehen Wirkung.
    Damit werden universale Prozesse aber nicht zu einem „Universalen Diktat,“ sondern zu Herausforderungen für Entscheidungen Freiheit zu leben. Dass müde Schwankungen, die vorübergehend immer wieder auch so etwas wie ein Gefühl nach sich ziehen können in einem Hamsterrad ständig sich selber hinterher zu laufen, das ist nur zu natürlich, ja sogar auch notwendig. Denn ohne derartige Erfahrungen lässt sich die Freiheit als Erfahrung „dem eigenen Werden zuschauen zu können“ nicht in der Erfahrung vergegenwärtigen. Nur wer das Scheitern ebenso anzunehmen lernt wie die Freude eines schöpferischen Höhenfluges kann in gelebter Freiheit wirklich heimisch werden.

    Bernhard Albrecht

    1. Deine Gedanken sind äußerst weise formuliert. Beinahe essayistisch erscheint mir dein Text, für welchen ich mich von Herzen bedanken muss!
      Rilke sagte einst, dass für den Künstler vor allem die eigene Kultivierung ausschlaggebend sei, – die Kultivierung der eigenen Freiheit durch Poesie!
      Herzlichen Dank, dass du meinen Blog mit deinem hehren Kommentar schmückst, werter Bernhard.

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