Die Farben suchen mich.

Ich stehe hinter den engmaschigen Augenpartien eines Gemäldes. Ich, ein Stillleben mit Wildkirschen. Das Museum ist aus Stickstoff gemacht. An manchen Stellen verflüssigt. Die Kälte findet an den Nähten meines Mantels Widerhall.
Meine vertrockneten Augenlider werden stumm. Plötzlich ein römisches Wetter. Die durstige Mondnacht liegt an meinen Venen. Darunter ausgesetzte Sterne, deren Herzen von Tränen schwer sind.
Mein Atem, ein unkalkuliertes Verschieben der Wirklichkeit.
Ein gereifterer Blick nimmt mich gefangen. Ich bin bloß ein Quantum, vielleicht ein Vorgefühl im Gewand Marc Aurels.
Hier: eine Epoche, so unbestimmt wie die morgendlichen Farben der Seine.
Mit den Kähnen gehe ich auf wie die Morgensonne. Man hat meine Umrisse vergessen. Das Schwarz im Repertoir Monets.

Eine Hommage an Tomas Tranströmer.

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Ein Gedanke zu “Die Farben suchen mich.

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