Jahresbild.

Die welken Tulpen standen in den Gärten. Wir saßen noch im Frühling; ich an deine Hand gebunden. Du hieltest deine zarten Wangen ins Sonnenlicht, das von den Dächern glitt. Da rankten Säulen empor, die ich dir zeigen mochte. Auf dem Fluss fuhren die Segel ins nächste Jahr – in den nächsten herrlichen Frühling. Ich hielt ihn schon. Und in jedem Auge war Frühling.
Über die Brücken balancierten Lichtstrahlen, als wankte ihr innerer Kern. Kinder spielten und lachten und ließen im Himmel die Drachen los. Hier lag unsere Wiese, früherer Tage Zuhause. Behutsam drang dein Gesicht damals in mein Herz und verweilte.
Dies müssen ewige Stunden gewesen sein. Nicht zu atmen vermochte ich damals. Einzig deine Hände hielt ich hoch und wie ein weißes, ungetrübtes Tuch in alle Lüfte. Ließ es Segel sein: Weiße Fahne im Frühlingswind.

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2 thoughts on “Jahresbild.

  1. Wenn auch – ob der die Vergangenheit so endgültig postulierenden Form – sehr traurig, so ist es – indem es mich in den Zauber dieser Zeit entführt – einfach wunderschön.
    Herzlichen Dank für diese kleine Reise,
    Dieter

  2. Mich freut dein kompetenter und zugleich emotionaler Blick, Dieter. Dass das Präteritum im narrativen literarischen Bereich „Endgültiges postuliert“, führst du mir nun in aller Deutlichkeit, und dafür danke ich dir, vor Augen. Ich werde es wohl besonders bei zukünftigen Niederschriften im Gedächtnis behalten.

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