Wir drehn uns im Kreis.

Wie im Pariser Stadtbild: Spiegelfassaden. Damals noch vom Dunkel übersäumt, das über die Straßen und Promenaden brach. In den Cafés lagen die Passagen vereinzelt reflektierter Gegenwarten. Die Stuhlreihen an den Edelholztischen erinnerten ans Jahr ’90. Dir hatten sich die Morgenimpressionen am Parkbrunnen ergeben. Mit zögerndem Gewahren hielt dein Geist an ihnen fest. Und die Rue lag dir in sommerlich weiter Peripherie. Im Theater zu St. Germain hattest du ihn damals kennengelernt. Und er nannte deinen Blick; streifte mit seinen braunen, warmen Hände über deine Schläfen.
Einst meintest du, sein Charisma trage den Puls der Stadt; hieltest ihn im kleinsten Winkel deiner Pupillen fest,
als wäre er im Begriff, dir zu entschwinden. Im Picasso – jenem eigenwilligen, allein im Raum nachklingenden Oeuvre, – träumtest du,
die Straßen seien verschwunden. Die ausgeformten Straßen. Von damals.
Und es schien dir, als sei das Leben ein Fremdes, ein nicht länger Fassbares. Die Jardins im seidenen Licht: deinen Augen
entrissen. Und du träumtest nicht. Es war in allem. Die alten, zerklüfteten Alleen, mit den schweren, matten Linden hielten eine Weile an deiner Einsamkeit fest. Das Azurblau deines Schals – es war bereits Januar geworden, als du erwachtest-, hielt nicht länger im Abendwind. In den Metros dämmerten Gesichter, denen dein Blick Vertrautes abzuringen suchte: In keinem war’s.
Die Uhren hatten zur späten Abendstunde geschlagen, als im Schauspielhaus die Vorhänge öffneten. Da stiegen Damen, in feinste Gewänder gehüllt, hinab. Die noblen Blicke gen Himmel gewand. Du zittertest noch; ehe die feinen Herren hinter den ausgeleuchteten Vorhängen ins bodenlose Bühnenfeld schritten und sich im Fallen – ihre Lider längst geschlossen-, gefielen. Da stiegen und fielen der Menschen Visagen, als zöge sie’s von fern. Und ihre Arme waren Fäden, die an schwarzen Tapeten befestigt waren. So erschien es dir.
Keine Rue stand mehr im Laternenlicht, als die Ovationen abebbten. Sie, die Pariser, gefielen sich im Spiel. Ihre Rollen: von den Blicken erkalteter Rosen, welche in sich keine Gebärde mehr tragen, die sich nach außen kehren könnte, adaptiert. Und diese welken Pupillen in dem und dem.
Dir war’s, als wären die Cafés, deren Türen nie schlossen, verstummt. Und mit ihnen die glänzenden Straßen. Vielleicht im Herzen noch ein Aufbegehren gegen das Schwindende. Ein leises Ertasten aller Wände. Dann, von den Füßen an, ein Wind. Nur ein Wind, der trägt.

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